Vom Ticketverkauf zur Eventlösung

Interview mit Jannusch Frontzek, Geschäftsführer und Gesellschafter der ticket i/O GmbH

Ticketing ist mehr als Ticketverkauf. Hinter diesem Anspruch steht bei der ticket i/O GmbH aus Köln vor allem Jannusch Frontzek, Geschäftsführer und Gesellschafter, der das Unternehmen seit über einem Jahrzehnt prägt und mit aufgebaut hat. Aus der Praxis heraus sieht er Ticketing nicht als isolierte Softwarelösung, sondern als integrierten Prozess entlang der gesamten Customer Journey. Dieses Verständnis prägt auch das Unternehmen insgesamt: „Wir kommen aus dem Veranstalterbereich und denken Ticketing immer aus Sicht der Veranstalter“, so der Geschäftsführer.

Vom Eventprojekt zur Plattform

Die Wurzeln von ticket i/O liegen in der Eventreihe PollerWiesen. Ursprünglich als internes Tool entwickelt, wurde das System ab 2015 zu einer eigenständigen, mandantenfähigen Plattform ausgebaut. Ziel war es von Anfang an, Veranstaltern mehr Gestaltungsspielraum zu ermöglichen und ihnen Werkzeuge für die professionelle Umsetzung

von Veranstaltungen an die Hand zu geben. Dabei floss nicht nur unternehmerische Erfahrung ein, sondern auch ein tiefes Verständnis für die Anforderungen der Branche. Aus einem zunächst auf eine Veranstaltung zugeschnittenen System entstand Schritt für Schritt eine Lösung, die sich flexibel auf unterschiedlichste Formate übertragen ließ. Heute beschäftigt das Unternehmen rund 90 bis 100 Mitarbeiter und erwartet einen Jahresumsatz von etwa 17 Millionen EUR.

Bewährungsprobe Corona

Besonders deutlich wurde die Flexibilität des Unternehmens während der Coronapandemie. Während große Teile der Branche zum Stillstand kamen, entwickelte ticket i/O neue Anwendungsfelder: von Autokino- und Strandkorbformaten über digitale Lösungen für Schwimmbäder bis hin zu Testzentren. „Wir haben uns in dieser Zeit mehrfach neu erfunden“, sagt Jannusch Frontzek. Das Unternehmen konnte dadurch wachsen und neue Kundengruppen erschließen. Gleichzeitig zeigte sich, wie wichtig ein agiles System und schnelle Entscheidungen sind.

All-in-one statt Insellösung

Heute bietet ticket i/O eine All-in-one-Plattform, die Ticketshop, Zahlungsabwicklung, Marketing, Einlassmanagement und Auswertung vereint. Vom ersten Kontakt bis zum Eintritt ins Event wird der Ablauf digital gesteuert und besucherfreundlich gestaltet. Kunden sind die Veranstalter – von Clubs wie dem Bootshaus Köln über Festivals wie Nibirii oder Formate wie Mary Jane Berlin bis hin zu kleineren Anbietern, Vereinen oder Kulturinstitutionen. „Wir haben keinen typischen Kunden“, so der Geschäftsführer. „Vom kleinen Kurs bis zum Stadionevent können wir alles abbilden.“ Ein zen­trales Element ist die Zahlungsabwicklung über Treuhandkonten – ein wichtiger Vertrauensfaktor in einer Branche, in der oft große Summen vorfinanziert werden müssen.

Partnerschaft statt Plattform

Im Unterschied zu vielen großen Anbietern versteht sich ticket i/O nicht als anonyme Plattform. „Wir sehen uns als Partner“, betont der Geschäftsführer. „Wir verdienen nur, wenn ein Ticket verkauft wird.“ Dieses Modell positioniert das Unternehmen zwischen großen Konzernen und Self-Service-Tools. Neben der Technik spielt der Service eine zentrale Rolle: persönliche Erreichbarkeit, individuelle Betreuung und ein enges Netzwerk. Darüber hinaus unterstützt ticket i/O seine Kunden beim Wachstum, etwa durch Kontakte zu Veranstaltern, Locations oder Partnern. „Wir bringen die richtigen Leute zusammen – das gehört für uns genauso dazu wie die Technik.“ Dahinter steht ein klares Selbstverständnis: Ticketing als Lösung ‘von Menschen für Menschen’, konsequent aus den Anforderungen der Veranstalter entwickelt.

Komplexität als Stärke

Was nach außen wie ein einfacher Prozess wirkt, ist im Hintergrund hochkomplex. Neben dem Ticketverkauf geht es um Besuchersteuerung, Zusatzleistungen wie Parkplätze oder Campingflächen, die Integration von Nahverkehr sowie Marketing- und Kommunikationsprozesse.

„Der Ticketkauf ist oft der erste Kontaktpunkt mit dem Event“, sagt Jannusch Frontzek. „Ab da muss alles stimmen.“ Gleichzeitig eröffnet die Digitalisierung auch neue Möglichkeiten im Bereich Nachhaltigkeit: Sie reduziert nicht nur papierbasierte Abläufe, sondern ermöglicht eine gezieltere Besucherlenkung, optimierte Anreisekonzepte und damit insgesamt effizientere, ressourcenschonende Prozesse.

Wachstumsperspektiven

Für die Zukunft setzt ticket i/O auf Internationalisierung. Außer in Deutschland ist das Unternehmen bereits in Österreich und Kroatien vertreten, weitere Märkte sollen folgen. Voraussetzung dafür ist unter anderem die Einführung von Multi-Currency-Funktionen. Parallel entwickelt sich das Unternehmen vom Ticketing-Anbieter zum umfassenden Dienstleister: Performance Marketing, Merchandise-Integration und strategische Partnerschaften gewinnen an Bedeutung. Ziel ist es, zusätzliche Erlösquellen für Veranstalter zu erschließen und sie noch stärker zu unterstützen. Damit bleibt die Grundidee bestehen: „Für uns ist Ticketing eine partnerschaftliche Dienstleistung – flexibel, nah am Kunden und offen für neue Entwicklungen.“

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema

Vom Familienbetrieb zur  Industriegruppe: Schornsteintechnik im strategischen Aufbruch

Interview mit Antonio ­Cervino, Geschäftsführer der Steegmüller Kaminoflex GmbH

Vom Familienbetrieb zur Industriegruppe: Schornsteintechnik im strategischen Aufbruch

Volatile Energiemärkte, politische Unsicherheiten und steigende Qualitätsanforderungen prägen die Schornsteinbranche. Die Steegmüller Kaminoflex GmbH steht für Systemkompetenz und Fertigungstiefe. Mit der Integration in die italienische EXPO Inox Gruppe beginnt ein…

„Wer nach EtherCAT sucht, findet uns“

Interview mit Thomas Waggershauser, Geschäftsführer der acontis technologies GmbH

„Wer nach EtherCAT sucht, findet uns“

Ihre Lösungen kommen beim Start der Ariane 6 genauso zur Anwendung wie im Automotive-Segment oder in der Halbleiterindustrie. Trotzdem dürften nur Brancheninsider jemals von acontis technologies gehört haben. Dem Erfolg…

Kontinuität als Erfolgsfaktor im modernen Direktvertrieb

Interview mit Elke Kopp, Geschäftsführerin der Mary Kay Cosmetics GmbH

Kontinuität als Erfolgsfaktor im modernen Direktvertrieb

Direktvertrieb, Frauenförderung und starke Marken: Mary Kay Cosmetics steht weltweit für hochwertige Kosmetik und unternehmerische Chancen für Frauen. Im Gespräch erklärt Geschäftsführerin Elke Kopp, verantwortlich für die Märkte Deutschland, Schweiz…

Spannendes aus der Region Köln

Energie neu denken: Wie Kölns Uni­klinik Effizienz und Zukunft sichert

Interview mit Prof. Dr. Peter Heinen, Geschäftsführer der medfacilities Energie GmbH und Dipl.-Ing. Bernd Oerder, Bereichsleiter Energie- und Produktmanagement der Uniklinik Köln

Energie neu denken: Wie Kölns Uni­klinik Effizienz und Zukunft sichert

Steigende Energiekosten, Klimawandel und eine hochkomplexe technische Infrastruktur stellen Krankenhäuser vor enorme He­rausforderungen. Die medfacilities Energie GmbH geht sie mit einer Energie- und Technologieoffensive an. Wirtschaftsforum sprach mit Prof. Dr.…

Vom Boden zur Bühne der Markeninszenierung

Interview mit Stefan Imfeld, Creative Director der visuals united AG

Vom Boden zur Bühne der Markeninszenierung

Individuelle Gestaltung trifft auf innovative Materialtechnologie: Die visuals united AG mit ihrer Marke FOTOBODEN™ ist Spezialist für individuell bedruckbare Bodenlösungen – von Messe und Handel bis hin zu Museen und…

ISM 2026: Neue Formate als Innovationstreiber der Süßwarenbranche

Interview mit Oliver Frese, COO der Koelnmesse GmbH

ISM 2026: Neue Formate als Innovationstreiber der Süßwarenbranche

Die ISM 2026 setzt neue Akzente für die internationale Süßwaren- und Snackbranche. Mit der Einführung der ISM Ingredients und dem Ausbau der Markenfamilie rückt die gesamte Wertschöpfungskette stärker in den…

Das könnte Sie auch interessieren

Wo Technik auf Verantwortung trifft

Interview mit Tobias Krüer, Geschäftsführer der FACT GmbH

Wo Technik auf Verantwortung trifft

Die wirtschaftliche Lage vieler Krankenhäuser in Deutschland ist angespannt wie selten zuvor. Steigende Kosten, Reformdruck und der Wandel zur ambulanten Versorgung erhöhen den Handlungsbedarf. Gefragt sind Lösungen, die weit über…

Smarte Systeme statt Suchzeiten

Interview mit Walter Bostelmann, Vorstandsvorsitzender der Kellner & Kunz AG, EVP RECA Group

Smarte Systeme statt Suchzeiten

Ob Industrie, Handwerk oder Bau: Besonders bei C-Teilen wie Schrauben, Werkzeugen oder Verbrauchsmaterial zählt vor allem eines – dass alles verfügbar ist, wenn es gebraucht wird. Dabei setzen viele Betriebe…

„Unsere Mission? Wir bringen die ­Guten zu den guten Jobs!“

Interview mit Patrick Gutmann, Geschäftsführer der punkt.genau GmbH

„Unsere Mission? Wir bringen die ­Guten zu den guten Jobs!“

Die punkt.genau GmbH will für ihre Kunden konsequent die richtigen Fachkräfte finden und tritt dabei in verschiedensten Branchen als zuverlässiger Partner bei vielfältigen Personalthemen von Executive Search bis Headhunting auf.…

TOP