„Macht Spaß, wenn Ideen aufgehen!“

Interview mit Daniel Thiekötter, Geschäftsführender Gesellschafter der Thiekötter Druck GmbH & Co. KG

Wirtschaftsforum: Herr Thiekötter, bitte erzählen Sie uns etwas über die Geschichte von Thiekötter Druck.

Daniel Thiekötter: Die Druckerei startete in Münsters Innenstadt. Seit 1960 sind wir im Norden Münsters. Als meine Eltern die Firma vom Onkel meiner Mutter übernahmen, stand sie wirtschaftlich nicht gut da – meine Eltern haben sie mit viel Engagement neu aufgebaut. Seit 2016 sind meine Schwester Anja und ich geschäftsführende Gesellschafter des Unternehmens, das in 5. Generation in Familienbesitz ist. Gegründet wurde es 1879 von Franz Heinrich Tumbrink, dem Urgroßvater meiner Mutter.

Wirtschaftsforum: Welche technischen Entwicklungen waren besonders prägend?

Daniel Thiekötter: Mein Vater hat den Übergang vom Buchdruck zum Offsetdruck gemeistert. Um 2000 kam der Schritt in die Computer-to-Plate-Technologie, 2004 der erste Digitaldruck. Heute produzieren wir auf zwei HP-Digitaldruckmaschinen und zwei Fünffarben-Offsetmaschinen. Insgesamt beschäftigen wir rund 70 Mitarbeitende und erwirtschaften etwa 9 Millionen EUR Umsatz.

Wirtschaftsforum: Wie sieht Ihr Leistungsspektrum aus?

Daniel Thiekötter: Seit den ersten Aufträgen von BASF in Münster ist Etikettendruck ein zentraler Bestandteil unseres Portfolios. Das Pfandlogo seit Anfang der 2000er-Jahre hat uns im Getränkesektor enorm wachsen lassen. Wir produzieren Nassleim- und Rollenetiketten, Faltschachteln und Beipackzettel für Branchen wie Getränke, Tierarzneimittel, Homöopathie und Pharma. Unsere Stärke liegt dabei in kleinen und mittleren Auflagen. Seit meinem Einstieg 2007 haben wir den Verpackungsbereich systematisch aufgebaut – mit Flachbettstanze, Faltklebemaschine und Heißfolienprägung. So erreichen wir nahezu 100% Fertigungstiefe im Haus. National – von Lübeck bis Augsburg. BASF, Pfizer oder Pierre Fabre zählen zu unseren Kunden. Regionalität spielt heute weniger eine Rolle, entscheidend sind Qualität und Zuverlässigkeit. Wir beliefern aber auch Kunden in Österreich und der Schweiz.

Wirtschaftsforum: Wie gewinnen Sie neue Kunden?

Daniel Thiekötter: Wir haben einen Vertriebsleiter, der sich um Neukontakte kümmert, aber vieles ergibt sich über Empfehlungen. Oft wechseln Ansprechpartner die Firma und nehmen uns mit. Da wir auf kleine bis mittlere Auflagen spezialisiert sind, kommt uns dieses Netzwerk entgegen.

Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielt Marketing bei Ihnen?

Daniel Thiekötter: Wir nutzen LinkedIn, gelegentlich Mailings und nehmen regelmäßig an den Druck & Medien Awards teil.

Wirtschaftsforum: Wie sieht es bei Thiekötter mit der Nachhaltigkeit aus?

Daniel Thiekötter: Nachhaltigkeit ist seit meinem Einstieg 2007 ein klares Ziel. Wir wollen zeigen: Drucken kann umweltbewusst sein. Wir nehmen regelmäßig am Ökoprofit-Programm der Stadt Münster teil, sind ISO 9001 und 14001 zertifiziert und haben zahlreiche Maßnahmen umgesetzt – chemielose Platten, Wärmerückgewinnung, LED-Beleuchtung, optimierte Druckluftkreisläufe. Sogar unsere neue HP Indigo wird mit einer Propan-Kühlung betrieben, deren Global Warming Potenzial nahezu null ist.

Wirtschaftsforum: Warum sollte ein mittelständischer Betrieb gerade zu Ihnen kommen?

Daniel Thiekötter: Weil wir alles aus einer Hand bieten: Etiketten, Faltschachteln, Beipackzettel. Wir sind spezialisiert auf flexible, individuelle Produktionen, oft mit kurzen Lieferzeiten von ein bis drei Wochen. Außerdem arbeiten wir GMP-konform, erstellen Lieferzertifikate und vermeiden durch strenge Qualitätssicherung jede Art von Vermischung.

Wirtschaftsforum: Wie würden Sie den Spirit bei Thiekötter beschreiben?

Daniel Thiekötter: Wir haben eine stabile, motivierte Mannschaft. Durch regelmäßige Mitarbeiterbefragungen und unsere CSR-Ausrichtung wissen wir, wo wir stehen. In einer Branche, die sich rasant wandelt, funktioniert das nur mit einer engagierten Belegschaft – und die haben wir.

Wirtschaftsforum: Welche Ziele haben Sie für die nächsten Jahre?

Daniel Thiekötter: Wir wollen unseren Umsatz vollständig im Verpackungsbereich generieren. Da sehen wir stabile Nachfrage und Wachstum, gerade bei Etiketten. Jüngst haben wir eine Booklet-Etikettenmaschine angeschafft – für mehrseitige Etiketten mit integrierten Gebrauchsanweisungen. Kaum jemand in unserer Fertigungstiefe kann drucken, falzen, aufspenden und ausliefern. Außerdem planen wir auf unserem Grundstück eine Erweiterung für Lager, Produktion und Sozialräume.

Wirtschaftsforum: Und was treibt Sie persönlich an?

Daniel Thiekötter: Es macht mir Spaß, wenn Ideen aufgehen. Wenn neue Produkte wie Rollen­etiketten oder Booklet-Etiketten erfolgreich werden, bestätigt es, dass wir die richtigen Entscheidungen treffen.

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