Tradition trifft Innovation im Kiesgeschäft

Interview mit Caroline Held, Geschäftsführerin und Otto-Wilhelm Held, Geschäftsführer der Kändler-Held GmbH

Wirtschaftsforum: Wie begann die Geschichte der Kändler-Held GmbH?

Otto-Wilhelm Held: Die Kändler-Held GmbH wurde 1996 von mir in der 3. Generation übernommen. Damals hatte das Unternehmen nur einen Kieswerk. Seitdem haben wir uns stetig weiterentwickelt. Aktuell betreiben wir drei Kieswerke und mehrere Abbaustellen, wodurch wir in der Lage sind, jährlich zwischen 700.000 und 1 Million t Kies und Sand zu fördern. Unsere Hauptkunden sind Betonwerke, die auf unsere Produkte angewiesen sind.

Caroline Held: Ich bin seit etwa zwei bis drei Jahren aktiv im Unternehmen tätig. Mein Fokus liegt darauf, die Tradition fortzuführen und gleichzeitig neue Ideen einzubringen.

Wirtschaftsforum: Welche Herausforderungen sehen Sie im Kiesgeschäft?

Otto-Wilhelm Held: Die Genehmigungssituation ist eine der größten Herausforderungen. Der Abbau von Kies unterliegt strengen Auflagen, und es ist oft schwierig, neue Genehmigungen zu erhalten. Dies führt dazu, dass viele Lieferströme aus dem Ausland kommen, was nicht ideal ist, da wir hier in Deutschland ausreichende Vorkommen haben.

Caroline Held: Zudem setzen wir uns aktiv für Naturschutzprojekte ein. An unseren Abbaustellen führen wir Nebenentnahmen durch, die der naturschutzfachlichen Nachnutzung dienen. Dadurch können wir nicht nur Kies fördern, sondern auch zur Schaffung von Biotopen beitragen.

Wirtschaftsforum: Wie sieht die Umweltstrategie des Unternehmens aus?

Caroline Held: Wir sind uns der Verantwortung bewusst, die wir als Kiesbetreiber tragen. Daher versuchen wir, unsere Abbaustellen so umweltfreundlich wie möglich zu gestalten. Nach dem Abbau werden die Flächen oft in Gewässer umgewandelt, die dann unter Naturschutz gestellt werden. Diese Umwandlung widerspricht zwar häufig der Wahrnehmung von Landschaftszerstörung, ist aber ein Schritt in die richtige Richtung für die Umwelt.

Wirtschaftsforum: Was können Sie uns über Ihre innovativen Kühltechnologien erzählen?

Otto-Wilhelm Held: Neben unserem Kiesgeschäft haben wir auch in die Entwicklung von Kühltechnologien investiert. Unser Unternehmen hat ein patentiertes System namens ‘Hydro Spiral’ entwickelt, das eine effiziente und ressourcensparende Kühlung von Kies und Beton ermöglicht. Diese Technologie benötigt im Vergleich zu herkömmlichen Methoden weniger Platz und Energie, da sie in einem kompakten Container integriert ist, was den Transport und die Installation auf Baustellen erheblich erleichtert.

Caroline Held: Die Hydro Spiral funktioniert durch ein Wärmeaustauschprinzip. Kies und kaltes Wasser werden in entgegengesetzter Richtung durch eine sich drehende Schnecke geführt, was zu einer effektiven Kühlung führt. Diese Technologie ist besonders in heißen Regionen von Bedeutung, wo die Kühlung von Beton eine große Herausforderung ist.

Wirtschaftsforum: Welche Märkte bedienen Sie mit Ihrer Kühltechnologie?

Otto-Wilhelm Held: Wir haben bereits Anlagen in den arabischen Raum verkauft, darunter drei containerisierte Anlagen für das größte Bauprojekt der Welt, ‘The Line’, in Neom, Saudi-Arabien. Zudem sind wir nun auch in Indien aktiv. Unsere Kühlanlagen haben sich als sehr effizient erwiesen, und wir arbeiten daran, sie weiter auszubauen. Der Markt für unsere Technologie wächst, insbesondere in Regionen, in denen hohe Temperaturen herrschen. Bisher haben wir über 100 Kühlcontainer verkauft. Wir sind zuversichtlich, dass wir in Zukunft noch viele weitere verkaufen werden, da die Nachfrage nach effektiven Kühltechnologien in der Bauindustrie weiter zunimmt.

Wirtschaftsforum: Wie sehen die Zukunftspläne der Kändler-Held GmbH aus?

Otto-Wilhelm Held: Wir möchten unsere bestehenden Geschäftsfelder weiter festigen und gleichzeitig neue Märkte erschließen. Die Diversifikation in die Kühltechnologie ist ein wichtiger Schritt in diese Richtung. Wir sind in Gesprächen mit potenziellen Partnern, um unsere Produkte noch schneller und effektiver auf dem Markt zu platzieren.

Caroline Held: Die nächste Generation bringt frischen Wind in das Unternehmen. Ich sehe es als meine Aufgabe, die Tradition fortzuführen und gleichzeitig innovative Ideen zu entwickeln, die uns helfen, in einer sich ständig verändernden Branche relevant zu bleiben.

Wirtschaftsforum: Welchen Einfluss hat die aktuelle Marktsituation auf Ihre Strategie?

Caroline Held: Die Bauwirtschaft in Deutschland hat in den letzten Jahren einen Rückgang erlebt, was sich auch auf unsere Aufträge auswirkt. Dennoch sehen wir Potenzial in der Entwicklung von Infrastrukturprojekten, insbesondere im Bereich der Kabeltrassen. Hier gibt es einen hohen Bedarf an unseren Produkten.

Otto-Wilhelm Held: Wir müssen flexibel bleiben und uns an die Gegebenheiten anpassen. Einerseits müssen wir weiterhin innovative Lösungen wie die Hydro Spiral anbieten. Das bedeutet auch, dass wir unsere Produktionskapazitäten und Genehmigungen im Blick behalten müssen, um langfristig erfolgreich zu sein. 

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