Engineering für besondere Aufgaben

Interview mit Dr. Wolfgang Heimberg, Geschäftsführer der HTI Automation GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Dr. Heimberg, wie ist HTI Automation entstanden?

Dr. Wolfgang Heimberg:Ursprünglich komme ich aus der Automotive-Entwicklung. Irgendwann stand ich vor der Entscheidung: Gehe ich mit meiner Technologie in die USA oder bleibe ich in Deutschland? Indem ich hiergeblieben bin, habe ich mich für den schwierigeren Weg entschieden – und für die Selbstständigkeit. Der Einstieg in die Laborautomation war dagegen eher Zufall. Es sind manchmal die kleinen Dinge des Lebens, die eine Richtung vorgeben.

Wirtschaftsforum: Wie haben Sie sich dann am Markt etabliert?

Dr. Wolfgang Heimberg: Wir sind als No-Name gestartet und mussten uns zuerst einmal Nischen suchen. Anfangs waren es kleine, oft sehr individuelle Projekte. Daraus ist unser heutiges Geschäftsmodell mit drei Standbeinen gewachsen: kundenspezifische Entwicklungsprojekte, OEM- und eigene Produkte. Diese Mischung gibt uns Stabilität.

Wirtschaftsforum: Was zeichnet Ihr Unternehmen besonders aus?

Dr. Wolfgang Heimberg: Es ist der Spagat aus Flexibilität und Standardisierung. Um im Markt der Laborautomatisierung bestehen zu können braucht es beides. Der Markt ist geprägt von Standardprozessen mit individuellen Anforderungen. Die HTI hat sich auf diese Dualität eingestellt.

Wirtschaftsforum: Wie ist das zu verstehen?

Dr. Wolfgang Heimberg: Auf der einen Seite steht unser Engineering-Know-how. Wir sind ein Ingenieursunternehmen, fast alle unsere Mitarbeiter haben einen technischen Hintergrund. Das ist eine wesentliche Voraussetzung und der Schlüssel für kundenspezifische Lösungen. Die zweite Seite sind unsere Standardsysteme. Wir haben uns als der Spezialist im Bereich des Tube Handlings etabliert. Wir bieten verschiedene Ready- to-go Lösungen, die wir häufig entsprechend kundenspezifisch individualisieren.

Wirtschaftsforum: Wie kam es dann zu eigenen Produkten?

Dr. Wolfgang Heimberg: Das war ein Lernprozess. Wir haben erkannt, dass Kunden immer wieder mit ähnlichen Fragen an uns herantraten. Daraus entstand die Idee, eigene Geräte zu entwickeln z.B. für das Tube Handling. Diese automatisieren verschiedenartige Prozesse u.a. für das Befüllen, Verschrauben, Etikettieren von Laborgefäßen.

Wirtschaftsforum: Tube Handling klingt nach einem sehr speziellen Bereich. Was macht ihn so besonders?

Dr. Wolfgang Heimberg: Es ist definitiv ein Nischenmarkt – einer mit enormer Bedeutung und Herausforderung. In den Laboren kommt eine Vielzahl unterschiedlicher Probengefäße zum Einsatz. Diese zu handhaben und zu automatisieren stellt eine hohe Anforderung dar. Es gibt kaum Standardlösungen. Jede Aufgabe bringt neue Herausforderungen mit sich – und genau das begeistert uns. Wir lieben es, Systeme immer wieder neu zu denken und auf individuelle Anforderungen zuzuschneiden.

Wirtschaftsforum: Wie haben sich Markt und Nachfrage verändert?

Dr. Wolfgang Heimberg: Corona war gewissermaßen ein Wendepunkt. Plötzlich hieß es nicht mehr ‚Wir wollen automatisieren‘, sondern ‚Wir müssen‘. Das war ein Schlüsselmoment und hat einen Boom ausgelöst. Danach wurde der Markt ruhiger, aber auch anspruchsvoller. Heute geht der Trend wieder stärker zu individuellen Lösungen. Für uns ist das kein Nachteil, im Gegenteil.

Wirtschaftsforum: Was macht Ihren Erfolg aus?

Dr. Wolfgang Heimberg: Unsere Flexibilität. Wir können sowohl kleine als auch große Projekte umsetzen. Früher waren 100.000 EUR-Projekte eine Herausforderung, heute sind wir in der Lage Projekte in Millionenhöhe zu realisieren. Wir sind mit unseren Kunden gewachsen und scheuen uns nicht vor komplexen Aufgaben.

Wirtschaftsforum: Wer sind ihre Kunden?

Dr. Wolfgang Heimberg: Wir bedienen ein sehr breites Kundenspektrum, das von kleineren Laboren bis zu großen Pharmaunternehmen reicht. Auch klassische Automatisierer und Integratoren suchen die Zusammenarbeit, weil sie unsere Flexibilität zu schätzen wissen. Wir sind international unterwegs: Europa und die USA sind unsere Hauptmärkte. Internationalisierung ist für uns kein Ziel mehr, sondern Realität.

Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielt Innovation bei der Markteinführung neuer Produkte?

Dr. Wolfgang Heimberg: Neue Produkte entstehen oft aus konkreten Kundenbedarfen. Wir entwickeln nicht ins Blaue hinein. Es ist motivierender und zielführender, wenn bereits eine Kundenanfrage dahintersteht. Innovationen sind ein wesentliches Merkmal unserer Lösungen.

Wirtschaftsforum: Wo sehen Sie HTI in den kommenden Jahren?

Dr. Wolfgang Heimberg: Wir wollen unsere Position als Anbieter hochwertiger, flexibler Automationslösungen ausbauen. Unser Ziel ist es, technologische Stärke mit noch mehr Anpassungsfähigkeit zu verbinden. Oder anders gesagt: stabiles Engineering flexibler gedacht. Ziel ist die Etablierung flexibler Standardlösungen. Wir denken langfristig, auch mit Blick auf die Zukunft des Unternehmens und über meine eigene Rolle hinaus.

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