Verpackung.de – Next-Level für moderne Verpackungen

Interview mit Sören Hadeler, CEO der Gustav Schramm GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Hadeler, Können Sie uns etwas über die Geschichte der Gustav Schramm GmbH (Schramm Verpackung) erzählen?

Sören Hadeler: Das Unternehmen wurde 1912 in Bremen von Gustav Schramm gegründet. Es ist seit drei Generationen in Familienhand, und im Juli 2024 habe ich das Unternehmen von meinem Vater, Jens Hadeler, übernommen. Unsere Wurzeln sind tief in der Region verankert, und wir sind stolz auf unsere lange Geschichte sowie auf die gewachsenen Beziehungen.

Wirtschaftsforum: Was unterscheidet Schramm Verpackung von anderen Unternehmen in der Verpackungsindustrie?

Sören Hadeler: Wir verstehen uns als Systemanbieter für Transport- und Versandverpackungen. Unser Fokus liegt nicht nur auf Produkten, sondern auf maßgeschneiderten Lösungen. Wir bieten ein breites Spektrum an Verpackungsmaterialien an, darunter Kartonagen, Folien, Klebebänder und Polstermaterialien. Unsere Stärke liegt in der persönlichen Betreuung und der fachkundigen Beratung unserer Kunden.

Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit in Ihrem Unternehmen?

Sören Hadeler: Nachhaltigkeit ist ein zentraler Bestandteil unseres Geschäftsmodells. Wir haben uns schon immer auf umweltfreundliche Verpackungslösungen konzentriert.

In jüngster Zeit haben wir wichtige Schritte in Richtung Klimaneutralität unternommen, etwa durch die Installation von Photovoltaikanlagen und die Prüfung elektrischer Mobilitätskonzepte an unseren vier Standorten in Deutschland. Darüber hinaus sind wir aktive Mitglieder in mehreren Netzwerken zur Klimaneutralität und arbeiten kontinuierlich daran, unsere Nachhaltigkeitsmaßnahmen weiterzuentwickeln.

Wirtschaftsforum: Welche He­rausforderungen gibt es auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit?

Sören Hadeler: Nachhaltigkeit in der Verpackungsindustrie ist kein einfaches Schwarz-Weiß-Thema, sondern hochkomplex. Karton gilt zu Recht als Paradebeispiel für Kreislaufwirtschaft – mit sehr hohen Recyclingquoten, gerade in Deutschland. Gleichzeitig besteht Verpackung eben nicht nur aus Karton. Wir reden auch über Kunststoffe, Folien, Klebebänder oder Polstermaterialien. Die Herausforderung besteht darin, für jeden konkreten Anwendungsfall das richtige Gleichgewicht zwischen Funktionalität, Produktschutz, Wirtschaftlichkeit und ökologischer Sinnhaftigkeit zu finden. Uns ist wichtig, dabei ehrlich und transparent zu beraten. Nachhaltigkeit bedeutet für uns nicht, dem Kunden pauschal ein ‘grünes’ Produkt zu verkaufen, sondern genau hinzuschauen. Es gibt Fälle, in denen ein vermeintlich nachhaltiges Material – etwa Papier statt Kunststoff – in der Gesamtbilanz sogar schlechter abschneidet. Dieses Differenzieren ist notwendig. Greenwashing hilft weder der Umwelt noch unseren Kunden.

Wirtschaftsforum: Wie gehen Sie das Thema Innovation in der Verpackung an?

Sören Hadeler: Innovation ist für uns ein zentraler Erfolgsfaktor und hat bei Schramm Verpackung eine lange Tradition. Schon früh haben wir auf Digitalisierung gesetzt, und diesen Weg gehen wir konsequent weiter. Heute investieren wir stark in digitale Prozesse, Automatisierung und zunehmend auch in den Einsatz von KI – immer mit dem Ziel, Abläufe effizienter zu machen und unsere Mitarbeitenden von repetitiven Aufgaben zu entlasten. Gleichzeitig treibt uns das Thema ‘intelligente Verpackung’ um. Ein wichtiger Innovationsschwerpunkt ist die Volumenreduktion. Zu große Verpackungen bedeuten unnötigen Materialeinsatz, höhere Transportkosten und mehr CO2-Emissionen. Hier entwickeln wir Lösungen, die exakt auf das Produkt zugeschnitten sind und trotzdem maximale Sicherheit bieten. Innovation heißt für uns also ganz konkret: weniger Material, weniger Luft, mehr Effizienz.

Wirtschaftsforum: Können Sie Ihr Produktportfolio näher beschreiben?

Sören Hadeler: Wir verstehen uns als Systemanbieter für Transport- und Versandverpackungen. Kartonagen sind dabei nach wie vor ein zentrales Produkt, aber eben nur ein Teil des Ganzen. Rund um den Karton liefern wir alles, was für einen sicheren Versand notwendig ist. Ein wesentlicher Teil unseres Geschäfts – etwa 50% – entfällt auf individuell entwickelte Verpackungslösungen. Standardverpackungen sind oft nicht optimal, sei es wegen zu viel Leerraum, fehlender Automatisierungstauglichkeit oder besonderer Produktempfindlichkeit. Unsere Außendienstteams gehen direkt zum Kunden, analysieren Prozesse und entwickeln passgenaue Lösungen – von sensiblen Produkten wie Wein oder Elektronik bis hin zu großformatigen oder schweren Gütern wie Fahrrädern oder Industriewaren. Diese Individualität ist ein zentraler Grund für die langfristige Kundenbindung.

Wirtschaftsforum: Wie stellen Sie die Qualität Ihrer Produkte sicher?

Sören Hadeler: Qualität ist für uns nicht verhandelbar. Deshalb haben wir alle Standorte nach DIN-ISO zertifizieren lassen und ein unternehmensweites Qualitätsmanagement etabliert. Das gab es in dieser Form früher nicht, ist heute aber unverzichtbar. Wir überwachen und optimieren unsere Prozesse kontinuierlich, nicht nur im Sinne der Produktqualität, sondern auch in Bezug auf Effizienz, Nachhaltigkeit und Liefersicherheit. Gerade weil wir mit vielen Industriekunden zusammenarbeiten, müssen unsere Leistungen zu 100% zuverlässig sein. Fehler in der Verpackung können ganze Lieferketten stören – das ist ein Anspruch, dem wir uns täglich stellen.

Wirtschaftsforum: Welche Pläne haben Sie für die Zukunft?

Sören Hadeler: Wir wollen weiter wachsen – aber mit Augenmaß. Ein wichtiger Punkt ist der Ausbau unserer regionalen Präsenz in Deutschland. Neue Standorte, wie zuletzt im Südwesten, helfen uns dabei, Transportwege zu verkürzen und noch näher an unseren Kunden zu sein. Parallel dazu entwickeln wir unsere E-Commerce-Plattform shop-verpackung.de kontinuierlich weiter, um unseren Kunden auch digital ein modernes, effizientes Einkaufserlebnis zu bieten. Darüber hinaus bereiten wir uns intensiv auf neue regulatorische Anforderungen vor, etwa durch die europäische Verpackungsverordnung. Hier bauen wir gezielt Know-how und eigene Strukturen auf, um unsere Kunden kompetent begleiten zu können.

Wirtschaftsforum: Wie sehen Sie die Zukunft der Verpackung?

Sören Hadeler: Die Zukunft der Verpackung wird stark von Nachhaltigkeit, Regulierung und Technologie geprägt sein. Unternehmen werden sich deutlich intensiver mit Recyclingfähigkeit, Materialeinsatz und Abfallvermeidung auseinandersetzen müssen. Gleichzeitig entstehen neue Konzepte wie Mehrwegsysteme, bei denen auch Kunststoffe wieder eine sinnvollere Rolle spielen können. Unser Anspruch ist es, diese Entwicklungen aktiv mitzugestalten. Mit Innovationskraft, ehrlicher Beratung und einem klaren Werteverständnis wollen wir unseren Kunden auch künftig echten Mehrwert bieten – und dabei wirtschaftlichen Erfolg mit Verantwortung verbinden.

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema

Café-Kultur trifft Backstube

Interview mit Gürol Gür, Geschäftsführer der Schanzenbäckerei GmbH

Café-Kultur trifft Backstube

Das Bäckerhandwerk steht unter hohem Veränderungsdruck: Hohe Energie- und Rohstoffkosten, steigende Löhne, Ansprüche an Sortiment und Service sowie der Fachkräftemangel zwingen Betriebe dazu, ihre Strukturen kontinuierlich weiterzuentwickeln. Gleichzeitig bleibt der…

Hightech-Medizin, die Hoffnung macht

Interview mit Ciril Faia, CEO Curium International

Hightech-Medizin, die Hoffnung macht

Prostatakrebs ist die häufigste Krebsart bei Männern. Laut Robert-Koch-Institut erkranken in Deutschland jährlich knapp 80.000 Männer neu daran. Bei einer Früherkennung sind die Heilungschancen sehr gut. In Deutschland hat Curium…

Fehlerfreiheit als Wettbewerbsvorteil

Interview mit Dr.-Ing. Ansgar Kaupp, CEO und Partner der EyeC GmbH

Fehlerfreiheit als Wettbewerbsvorteil

Fehlerhafte Verpackungen können Millionen kosten – durch Rückrufe, Lieferengpässe oder regulatorische Folgen. Genau hier setzt die EyeC GmbH mit intelligenten Inspektionssystemen an, die Druckbilder, Barcodes und selbst Brailleschrift zuverlässig prüfen.…

Spannendes aus der Region Bremen

Experte für logistische Meisterleistungen

Interview mit David Fliskowski, geschäftsführender Gesellschafter der C.F. Protec Schwertransportsicherung GmbH und der D.F. Protec GmbH und Jörg Finke, Geschäftsführer der D.F. Protec GmbH und der SPE Verkehrstechnik GmbH

Experte für logistische Meisterleistungen

Wenn tonnenschwere Windkraftanlagen, gigantische Maschinenteile oder Brückenteile sicher von A nach B bewegt werden müssen, kommen Spezialisten zum Einsatz: die Schwertransportunternehmen. Diese logistischen Meisterleistungen erfordern nicht nur präzise Planung, modernste…

Innovative Techniken zur Kampfmittelbeseitigung

Interview mit Carsten Caschera, Projektleiter der BITEK Bergungsdienst GmbH

Innovative Techniken zur Kampfmittelbeseitigung

80 Jahre nach dem Ende des 2. Weltkriegs besteht in Deutschland weiterhin Gefahr durch Blindgänger und andere Kampfmittel, sowohl an Land als auch unter Wasser. Die BITEK Bergungsdienst GmbH aus…

Teig, Team, Tempo: Die Rezeptur zum Erfolg

Interview mit Jürgen Rosar, Geschäftsführer der BAKER & BAKER Germany GmbH

Teig, Team, Tempo: Die Rezeptur zum Erfolg

Nach dem Carve-out aus der CSM Bakery Group hat sich BAKER & BAKER als eigenständiger Player im europäischen Tiefkühlbackwarenmarkt etabliert. Jürgen Rosar, Geschäftsführer der BAKER & BAKER Germany GmbH in…

Das könnte Sie auch interessieren

Die nächste Evolution der Verpackung

Interview mit Lubomir Kroupa, COO der NEXTPACK AG

Die nächste Evolution der Verpackung

Die Notwendigkeit, praktische Alternativen zu Transportverpackungen aus Kunststoff zu finden, ist dringlicher denn je. Um die Gesamtmenge an produziertem Plastik zu reduzieren und zu einem kreislauforientierten System überzugehen, müssen Unternehmen…

Im Kreislauf liegt die  Zukunft

Interview mit Vivienne Barrabas, Assistentin der Geschäftsleitung der INFOLIO Verpackungs GmbH

Im Kreislauf liegt die Zukunft

Verpackungen sind aus unserem Alltag nicht wegzudenken – sie schützen Produkte, sichern Qualität und ermöglichen effiziente Logistik. Die INFOLIO Verpackungs GmbH entwickelt seit 25 Jahren maßgeschneiderte Folien- und Verpackungslösungen und…

Wenn Qualität Leben rettet

Interview mit Hans-Werner Holdermann, Geschäftsführer der Deutsche Blistergesellschaft mbH

Wenn Qualität Leben rettet

Die Verblisterung von Arzneimitteln könnte die Patientensicherheit revolutionieren. Doch während technisch bereits Weltspitze erreicht ist, hinkt der rechtliche Rahmen dramatisch hinterher. Die Deutsche Blistergesellschaft arbeitet mit Fehlerquoten im Nanobereich, während…

TOP